HIV-Prophylaxe für 50 Euro

Einem Bericht der deutschen AIDS-Hilfe zufolge gab der Apotheker Erik Tenberken vergangenen Samstag auf der Jahrestagung der niedergelassenen HIV-Schwerpunktärzte in Deutschland (dagnä) in Köln bekannt, noch im September mit dem Vertrieb der Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) in sieben deutschen Großstädten zu starten.

Bei der PrEP handelt es sich sinngemäß um eine SaferSex-Praktik, bei der HIV-Negative Menschen HIV-Medikamente einnehmen um eine Infektion vorzubeugen. Vor allem für Menschen, für die Kondome keine praktikable Möglichkeit zum Schutz vor HIV ist, wäre die PrEP-Therapie geeignet. Dazu soll ein Generikum (kostengünstige Variante eines Markenpräparates) des Medikamentes Truvada zum Einsatz kommen. Mit Kosten von bisher 800 bzw. 600 Euro, welche nicht von den Krankenkassen übernommen werden, ist dies für die Mehrzahl der Menschen jedoch unerschwinglich. Da diese Prophylaxe-Therapie nur für HIV-Negative Menschen ist, ist ein HIV-Test vor Erteilung eines Rezeptes erforderlich.

Auf der Tagung wurde ebenfalls eine Studie zur Kosteneffizienz vorgestellt, nach der durch PrEP bis 2030 ca. 9000 Neuinfektionen und damit anfallende Therapiekosten verhindert werden könnten. Bei Senkung der jährlichen Kosten unter 500 Euro würde diese Methode sogar Kosten sparen.

Robert Lutz, Spitzenkandidat der sächsischen PIRATEN und Roman Schmitt, Bundestagskandidat der PIRATEN Rheinland-Pfalz und Koordinator der AG Queeraten, sind sich einig: „PrEP ist eine großartige, zukunftsweisende Sache. Sie schützt nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten, jedoch ist die PrEP ein Schutz vor bisher zwar behandel- aber unheilbaren HIV-Infektionen. Wir finden es gut, dass nicht nur im Bereich der Nachsorge und Symptombekämpfung, sondern bereits bei der Vorsorge neue Wege beschritten und Menschen neue Möglichkeiten zum Schutz geboten werden. Bei manchen Menschen, können medizinische oder körperlicher Aspekte, wie z.B. eine Latexallergie mit Kondomen bereits zu Problemen führen bzw. eine sehr einschränkende Alternative darstellen. Daher freuen wir uns mit PrEP womöglich eine weitere Methode zum Schutz vor HIV zu haben. Die Ergebnisse der Kosteneffizienz-Studie klingen sehr vielversprechend. Zwar haben wir zu der noch recht neuen Therapie bisher keinen Programmbeschluss, halten diese aber für unterstützenswert und würden uns im Falle eines Einzugs in den Bundestag dafür einsetzen, dass die Kosten ganz oder zum Wohle der Erschwinglichkeit wenigstens teilweise durch die Krankenkassen getragen werden.“

Quelle: https://magazin.hiv/2017/09/12/durchbruch-bald-hiv-prophylaxe-fuer-50-euro-in-deutschland-verfuegbar/
FAQ zu PrEP: https://www.aidshilfe.de/faq-prep#acc-77297
Zusatzinfos: Teure und teils schwer beziehbare, latexfreie Kondome, darüber informiert http://www.latexfreiekondome.de/latexfreiekondome.php

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